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26.03.2025 | Johanniter-Krankenhaus Treuenbrietzen

Allergologisches Fachsymposium bot hohen interdisziplinären Praxisbezug und Alltagsrelevanz

Das 2. Allergologische Fachsymposium des Zentrums für Allergologie und Asthma am Johanniter-Krankenhaus Treuenbrietzen bot den Teilnehmenden mit seinen Referierenden und der Themenauswahl einen vielseitigen Input und Austausch.

Heike Lehmann-Pötzsch mit Prof. Dr. G. Mainz

Gastgeberin und leitende Oberärztin des Zentrums, Heike Lehmann-Pötzsch, hatte hochkarätige Referenten und Referentinnen aus kooperierenden Kliniken und niedergelassenen Praxen gewonnen, die aktuelle und praxisrelevante Themen der Allergologie aus dem Blick der Kinderheilkunde, der HNO und Pneumologie beleuchteten. Dazu spannende Fallvorstellungen aus der Praxis. 

Prof. Dr. med. habil. Jochen G. Mainz, Leiter der Pädiatrischen Pneumologie/Mukoviszidose der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) und Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Westbrandenburg Brandenburg/Havel, gab eine eindrucksvolle Übersicht über Lungenerkrankungen im Kindesalter. Bereits 10-12 % der Kinder hätten ein Asthma bronchiale, das durch Faktoren wie Viren und Bakterien sowie Allergene, Hausstaubmilben und Reizstoffe wie Rauch ausgelöst werden. Auch körperliche Belastung und Stress seien wichtige Faktoren. Ein weiteres großes Thema war folgerichtig die Therapie des Asthma bronchiale bei Kindern und Jugendlichen, insbesondere die Auswahl geeigneter Inhalationsmedikamente aus einer Vielzahl von Möglichkeiten und die Bedeutung der korrekten Anwendung für deren Wirksamkeit. Differenzierte Ausführungen zur verbreiteten “Cortison-Angst” wurden sehr anschaulich an einem Patientenbeispiel dargestellt. Es gilt: “Die Dosis macht das Gift” und ein Kortisoneinsatz bleibt ein therapeutisches Mittel.

Dr. med. Ludwik Kurzidem, Oberarzt Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Westbrandenburg Brandenburg/Havel, berichtete über den Vormarsch von Nahrungsmittelallergien.  Während bei Erwachsenen die Insektengiftallergie die Nr. 1 ist, sind bei Kindern Nahrungsmittel wie Erdnüsse, Ei, Milch, Soja und Weizen am meisten allergieauslösend, neuerdings auch die Cashewnuss. Er stellte die Komponentendiagnostik als moderne Diagnostik vor und machte nachdrücklich darauf  aufmerksam, dass diese Tests nur eine erhöhte Allergiebereitschaft anzeigen und dass das nicht mit einer Allergie gleichzusetzen ist. Spannend für die Teilnehmer auch der Paradigmenwechsel in der Prävention, der sich seit einigen Jahren vollzieht: Während es vor 25 Jahren noch um eine Vermeidung von Allergenen ging, zeigte eine Studie 2015, dass eine frühe Allergenexposition erfolgreich Allergien vermeiden kann. Neu ist zudem die Therapie der Erdnussallergie mit einer oralen Hyposensibilisierung.

Dipl. med. Kathrin Lohse, Fachärztin für Innere Medizin/Pneumologie/Schlafmedizin und Allergologie in eigener Praxisniederlassung Beelitz, zeigte in ihrem Vortrag neueste Erkenntnisse zur Wirkung der Biologika und deren Auswahl/Einsatz nach klinischen Aspekten am praktischen Beispiel einer Patienten, die sie seit über 20 Jahren in verschiedenen Lebensphasen betreut. Auch gab sie wichtige Hinweise zu potenziellen Konflikten bei der Abrechnung von Biologika hinsichtlich des Einsatzes im Fachgebiet und der Abgrenzung zu anderen Fachgebieten.

Dr. med. Kathleen Chaoui, Fachärztin für HNO und Allergologie in eigener Niederlassung in Berlin, stellte die neue Klassifikation allergischer Erkrankungen und Überempfindlichkeitsreaktionen nach EACCI vor. Sie beschrieb eindrucksvoll, wie quälend und hoch die Belastung durch eine Rhinosinusitis für jeden Betroffenen ist - eben viel mehr als ein Schnupfen. Sie gab eine sehr gute Übersicht über die Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie dieser Erkrankung mit ihren akuten und späten Reaktionen.

Dr. med. Konrad Wetzer, Chefarzt der Fachklinik für Pneumologie am Johanniter-Krankenhaus Treuenbrietzen, sprach über die Differentialdiagnostik von Asthma/COPD, Emphysem und ACOS. Auch die neue Entität des eosinophilen COPD im klinischen Kontext wurde beleuchtet. Außerdem stellte er die therapeutischen Optionen des Emphysems in der Lungenfachklinik Treuenbrietzen vor.

Jakob Barth, Physician Assistent am Zentrum für Allergologie und Asthma des Johanniter-Krankenhauses Treuenbrietzen, hielt einen exzellenten Vortrag über das Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS), die begrifflichen Grundlagen, die Einteilung, die Diagnosekriterien und die Diagnostik in unserer Klinik sowie die Therapie. Insbesondere das idiopathische MCAS (subjektive Beschwerdelast versus objektive Befunde) wurde ausgiebig betrachtet.

Gastgeberin Heike Lehmann-Pötzsch, Leitende Oberärztin des Zentrums für Allergologie und Asthma am Johanniter-Krankenhaus Treuenbrietzen, stellte am Fall einer Wespengiftallergie die erforderliche klinische Diffentialdiagnostik, die Möglichkeiten der Komponentendiagnostik vor, erläuterte neueste Daten aus dem Anaphylaxie-Register und die hohe Notwendigkeit, aber geringe Verbreitung einer Anaphylaxieschulung. Man müsse bei jeder schwer verlaufenden Anaphylaxie auch an eine hereditäre Alpha Tryptasämie oder auch eine Mastozytose denken, insbesondere bei Insektengiftallergien. Auch das Eintreten einer psychischen Folgeerkrankung nach Anaphylaxie, z. B. posttraumatische Belastungsstörungen, Angst oder Depressionen müssen bedacht werden!

Die Symposiumsteilnehmenden würdigten in ihren Feedbacks die Auswahl der Themen, den hohen Praxisbezug und die Alltagsrelevanz sowie die Interdisziplinarität der Vorträge! Die Fragen und Diskussion bestätigten das.

2026 wird das nächste Allergologische Fachsymposium stattfinden.

Zentrum für Allergologie und Asthma